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Das Logo von Cottbus

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Logo Cottbus

Als die Stadt Cottbus Anfang Dezember 2008 Ihr neues Logo vorstellte, waren wir dermaßen sprachlos, dass wir es uns verkniffen haben, darüber zu berichten. Das neue Logo anders zu beschreiben als als diletantische Frechheit fiel uns recht schwer. Nun hat der Tourismus-Verband das Logo wieder zurückgezogen, was uns dazu bewegt, doch ein paar Worte darüber zu verlieren.

Vergangenheit

Die Stadt Cottbus hat im Rahmen der Neugründung des Stadtmarketing- und Tourismusverband Cottbus e.V. einen offenen Kreativwettbewerb für eine Wort-Bildmarke initiiert und professionelle Agenturen und die Bürgerinnen und Bürger eingeladen, bis zum 24. Oktober 2008 Gestaltungsideen und Vorschläge zu entwickeln.

Gesucht wird eine individuelle und innovative Kommunikation zu den zwei ausgearbeiteten Markenprofilen Energie und Fürst Pückler. Dem besten Beitrag winkt ein Preisgeld in Höhe von 8.000,- €. Der Zweit- und Drittplatzierte erhalten ein Preisgeld in Höhe von 2.000,- € bzw. 1.000,- €.

61 Beiträge mit einer Vielzahl von Vorschlägen wurden eingereicht.

Für die abschließende Beurteilung der Wettbewerbsbeiträge wird eine Jury einberufen, die am 01.12.2008 aus allen Vorschlägen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer den gelungensten Beitrag auswählt und über die Platzierung entscheidet.

Sie setzt sich aus einem Kreis von Experten zusammen, welche die unterschiedlichen Bereiche Marketing, Journalismus, Design, Wirtschaft und Politik vertreten. Genauer gesagt bestand die Jury aus fünf Herren der lokalen Prominenz, dem Oberbürgermeister, einem Mitarbeiter der Lausitzer Rundschau, einem Mitarbeiter der EGC Entwicklungsgesellschaft Cottbus mbH, einem Mitarbeiter der CMT Cottbus Congress, Messe & Touristik GmbH sowie einem der Inhaber der Agentur Kleitz Wirth live Kommunikation.

So viel zu O-Tönen der Verwaltenden.

Welcher Designer dabei tatsächlich seinen Segen für dieses Logo hergab hat sich uns bislang nicht erschlossen – wahrscheinlich ist es aber auch besser für ihn, nicht genannt zu werden, denn diese unbrauchbare Scheußlichkeit zu verantworten wäre sicherlich ein schwerer Gang.

Oder wie schrieb die Lausitzer Rundschau

Der neu gegründete Stadtmarketing- und Tourismusverband Cottbus e.V. geht mit einem ungewöhnlichen Logo an den Start […] Das Logo ist zum Davonlaufen. Zerzaust wie unser Stadtbild. Motto: Wenn Du nach Cottbus kommst, stehen dir die Haare zu Berge.

Wie oben bereits erwähnt, hat uns das neue Logo schier den Atem geraubt – und einen völligen Verriss wollten wir nun dann doch nicht bringen, da es nach wie vor nicht klar ist, inwieweit nun tatsächlich ein Profi hier seine Finger im Spiel hatte. Was Unprofessionalität auszurichten vermag, gab uns ja schon das Beispiel der neuen Website der Stadt Dorsten.

Mit einem abschließenden Wort von uns: Hier ist nun wirklich alles versymbolisiert worden, was unter Umständen in klarer Bildsprache dargestellt werden konnte. Noch schlimmer, der Sinn eines Logos, nämlich Außenstehenden auf einen Blick all das zu kommunizieren, wofür – in diesem Fall – eine ganze Region steht, ist ad absurdum geführt worden.

Ein Logo soll verständlich machen und mit unverwechselbaren und einprägsamen Inhalten den Anforderungen – in diesem Fall wie oben genannt – gerecht werden. Nun ja – wir sagen mal: das neue Cottbusser Logo war “nur” Kunst – bewusst in Anführungszeichen. Ein gutes Logo war es keinesfalls.

Vieles hierzu (Standpunkte, Meinungen, Details zum Auswahlverfahren) kann man bei Interesse noch im Fontblog nachlesen, den ich an dieser Stelle nur empfehlen kann. Hier wurde besonders heiß über das neue Logo diskutiert.

Gegenwart

Der Stadtmarketing- und Tourismusverband Cottbus e.V. hat nach Protesten von Bürgern und Mitgliedern das Logo Anfang Februar 2009 zurückgezogen.

Und selbst bei den Befürwortern des Logos macht sich inzwischen Erleichterung breit, da die öffentliche Diskussion für das Ansehen des Verbandes und der Stadt allmählich schädlich wurde – so der Wortlaut einer gerade veröffentlichten Pressemitteilung.

Immerhin verzeichnete die Stadt Cottbus zunächst noch einen positive Effekt der erhöhten Aufmerksamkeit. Immerhin! Aber das war es dann wahrscheinlich auch schon.

Auf ein Neues! Ein Grund zu berichten, allemal!

Zukunft

Na, man wird sehen – aller Voraussicht nach soll ja nun professionelle Arbeitskraft das Logo gestalten dürfen – und vielleicht auch eine fachkundige Jury auswählen? Das wäre toll, denn damit würde vielleicht ja tatsächlich noch ein brauchbares Ergebnis zustande kommen können.

Schade um die rund 10.000,- €, die der erste Ausflug ins Reich der Unwissenheit gekostet hat – die wären sicherlich an anderer Stelle noch gut zu gebrauchen gewesen. Beispielsweise zur Verschönerung des Stadtbildes oder einem brauchbaren Redesign der Website von Cottbus? – aber das ist wohl ein anderes Thema …

Links

Offizielle Website der Stadt Cottbus
Website des Kreativwettbewerbes
Erklärung des verworfenen Logos


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4 Kommentare zu “Das Logo von Cottbus”

  • HH_PR sagt:

    Schön, dass es den Pranger wieder gibt! Cottbus, Dorsten, Regensburg: Die Liste der öffentlich vorzuführenden “Designexperten” bei Bund, Ländern und Kommunen lässt sich leider unendlich fortsetzen. Schade, dass auch Niedersachsen vor einiger Zeit sein klares Erscheinungsbild abgelegt hat. Fast alle Bundesländer dilettieren munter mit öffentlichen Geldern, obgleich sie aus ebensolchen Steuermitteln Hochschulen unterhalten, die echte Designexperten ausbilden … Verkehrte Welt. – Dennoch: sonnige Grüße von Henning Horn ;-)

  • Der Gipfel-Logo-Streit | Designbote sagt:

    [...] erstaunlich, für welche Publicity ein streitbares Logo sorgen kann. Das war zuletzt vor allem in Cottbus zu bemerken. In Baden-Baden, wo sich Hoteliers echauffieren, dass nur Kehl im offiziellen [...]

  • Offenbach mit neuem Logo // Design Bote sagt:

    [...] eines der besten neuen Stadtlogos, die die Republik zu bieten hat. Ich erinnere exemplarisch an Cottbus und sein neues Stadtlogo. Offenbach und seine Studenten zeigen, dass es auch anders geht, das feinsinnige Überlegungen [...]

  • Neues Stadtlogo für Würzburg // Design Bote sagt:

    [...] einer Stadt viel Schindluder betrieben werden kann, zeigten ja beispielsweise Cottbus (Design Bote vom 5. Februar 2009) und Dorsten (Design Bote vom 3. Dezember 2008). Mal sehen, wie Würzburg im Rahmen der neuen [...]

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Datum: 5. Februar 2009, 23:58 Uhr
Autor: Florian Hirschmann
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