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ProSieben stirbt im Internet

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ProSieben Online 2009

Nachdem ProSieben im März diesen Jahres sein On-Air-Design grundlegend überarbeitet hatte (Design Bote vom 28. März 2009) präsentiert der Sender seit heute auch seinen neuen Internetauftritt. Dabei stehen laut Presseerklärung drei Schwerpunkte im Vordergrund: Bewegtbild-Unterhaltung, Entertainment-Information und stärkere Vernetzung der Formatwelten einzelner Programme mit der Community.

Ein Markenversprechen von ProSieben ist ‚Everytainment’. Wir wollen dem Zuschauer und User unsere Inhalte jederzeit und überall bequem zugänglich machen. Mit der neuen Website setzen wir unsere Strategie ProSieben 3.0 konsequent fort

So Karl König, als stellvertretender ProSieben-Geschäftsführer u.a. für die TV 3.0-Strategie des Senders verantwortlich.

Im Grunde aber – so muss ich leider sagen – interessiert es mich kaum, was der Sender an Neuerungen im Online-Bereich nun veröffentlicht, denn die Darstellung der Inhalte auf den neuen Seiten des Senders bewegen mich sofort nur zu einem einzigen Schritt: Eine andere Website aufzurufen. Das neuen On-Air-Design hat mir sehr zugesagt, die neue Website ist visuell dagegen eine echte Katastrophe.

Werbeflächen im Vordergrund

Offenbar muss sich die neue Seite aus eigenen Mitteln stark refinanzieren. Wie anders ist es zu erklären, das vor allem plakative Werbebanner dem geneigten Zuschauer förmlich ins Gesicht springen. Nicht nur, dass die zappelnden, unruhigen Bildchen dicht beieinander sitzen und so eher den Eindruck einer Banner-Schleuder vermitteln. Durch die – passend zum neuen On-Air-Design gewählten – grauen Verläufen im Hintergrund und auch ansonsten nur spärlich verwendeten Farben auf der Seite erhalten die Werbeflächen einen Fokus, der alles andere überstrahlt.

Doch die ansonsten mäßige Gestaltung wird durch die übertriebene Rasterhaftigkeit ohnehin gänzlich ruiniert. Unzählbar viele graumelierende Kästchen mit spärlichen Informationen vor einem ebenfalls grauschattierten Hintergrund, abgehoben durch hin und wieder gesetzten Schattierungen geben ein Bild grau in grau, das vor allem eines ganz und gar nicht zu vermitteln vermag: Einen modernen Auftritt. Im Gegenteil.

Eine gruselige Gestaltung

Von dem zum Teil hakeligen Animationen im Kopf mal abgesehen, die an sich ganz interessant, weil dreidimensional umgesetzt, sind, fühlt man sich auf der ‘neuen’ Website des Senders in alte Zeiten katapultiert. Hier wurde an grundlegenden Gestaltungsregeln nahezu alles ad absurdum geführt, was man sich vorstellen kann.

Weder eine lesbare Typografie noch sinnvolle Weißräume tragen das Angebot, Informationen verschwinden hinter unerkennbaren Scrollbars und einen Content-Breite von gerade einmal knapp über 800 Pixeln spricht für das Festhalten an alten Gewohnheiten. Zudem passiert es auf der ein oder anderen Seite tatsächlich beim Verkleinern der Seitenbreite, dass bei einer Fensterbreite von 1500 Pixeln ein horizontaler Scrollbalken auftaucht, obwohl hier kein sichtbarer Content hinterlegt zu sein scheint.

Die Unterseiten sind zudem derart uneinheitlich gestaltet, dass man nicht gerade von einer intuitiven Bedienung der Seite sprechen kann. Vielmehr ist es dem User überlassen, sich auf jeder Seite des Angebotes neu zu orientieren und neue Wege in die Tiefen von ProSieben.de zu finden. Als gelungen kann man jedenfalls auch die Navigationsstrukturen in diesem Zusammenhang in keinster Weise bezeichnen. Selbst der Home-Button neben dem Senderlogo oben links versteckt sich hinter Unleserlichkeit.

Fazit

Hätte ich eine Kategorie der »Gruseligsten Seiten im Netz«, so wäre ProSieben.de rein gestalterisch sicherlich ein guter Kandidat dafür, vielleicht noch brauchbarer, als meteorologische Angebote im Internet. ProSieben hat Kapital und eigentlich doch auch ein Händchen für visuelle Effekte. Das Ergebnis, das seit heute zu betrachten ist, wird dem nicht gerecht und der Sender sollte ernsthaft über seine Außenwirkung im Internet nachdenken. Das Potential ist gewaltig, Werbeeinnahmen sind derzeit intelligenter zu erwirtschaften und inhaltlich könnte hier sicherlich auch etwas getan werden.

Ohne Frage wird ProSieben hier nachlegen müssen, sonst wird der Sender neben guten Einschaltquoten im TV Besucherzahlen im Netz sicherlich nicht adäquat stärken können. Das Angebot ist grauenhaft. Und der Blick Stefan Raabs, der mich heute beim Besuchen der Seite empfing (oben auf dem Screenshot zu sehen), erschien mir als Bestätigung des ersten Eindrucks. Als wolle er meine Empfindung wieder geben: “Und das soll es nun gewesen sein? Is’ ja nich’ so dolle!” Von daher: Auch an der Bildsprache könnte man noch etwas feilen …

prosieben.de


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9 Kommentare zu “ProSieben stirbt im Internet”

  • Designbote sagt:

    Neuer Beitrag: »ProSieben stirbt im Internet« http://bit.ly/rg5QK

  • El Gusto sagt:

    Die Neue Prosieben Website ist einfach nur Hammer ednlich ist im Web 3.0 mal ein TV Sender angekommen.

    Wenn man sich VOX.de oder RTL.de anschaut können da einige noch etwas lernen ihre negativ Kritik kann ich mal gar nicht verstehen.

  • Zum Schluß für heute noch ein "Verriß" zur neuen Pro7 Internetseite. "ProSieben stirbt im Internet": http://ow.ly/rv10

  • Adriana sagt:

    Das neue Angebot ist wirklich erschreckend scheußlich, ich kann Dir nur uneingeschränkt recht geben. Im Grunde ist es unverständlich, warum einer solchen Gestaltung zugebilligt wird, das Netz zu verunstalten. Und wer glaubt, das Design sei zeitgemäß oder tatsächlich sinnvoll, der möge sich (meiner Meinung nach) mal arte.tv anschauen. Der Kultur-Sender geht mit gutem Beispiel voran und zeigt, wie attraktiv und sinnvoll Informationsvermittung UND Entertainment angeboten werden können.

    Danke für den mutigen Vorstoß, hier so offen Kritik zu üben!

  • Peter sagt:

    Mir gefällt die Seite eigentlich sehr gut. Ist zunächst mal auch immer Geschmackssache.

    Wenn ich mir da arte.tv ansehe bekomme ich schon wegen dem Header und dem Hintergrundbild Augenkrebs!

  • Francesco sagt:

    ProSieben mit arte zu vergleichen ist auch lustig. Nicht alle Sender werden von der Mafia finanziert (GEZ). Die Werbung finde ich auch nicht gerade schön auf der Seite, aber über diese werden nunmal Private Sender finanziert.

    Die Tatsache endlich mal diverse TV-Serien auf der Seite anzuschauen ist auch schick.

    P.S. FormatWelten sind Klasse.

  • karsten sagt:

    Also ich finde die meisten TV-Seiten im Netz echt unübersichtlich.
    Pro Sieben macht es auch nicht besser jetzt.

  • Bert sagt:

    Ich finde es interessant, dass die Seite hier doch tatsächlich kontrovers besprochen wird. Jedenfalls, wenn man sich die Kommentare anschaut.

    Als Screen-Designer, der ich bin, kann ich allerdings der Meinung des Autors fast vollumfänglich beipflichten. Ich habe selten einen Relaunch derart gespannt erwartet und wurde dann so sehr enttäuscht.

    ProSieben hat in Sachen On-Air-Design tatsächlich Neues gebracht und mit spannenden, wertigen Motiven gepunktet. Hier habe ich fast ausschließlich positives gehört und gelesen. Die neue Website wird dem in keinster Weise gerecht und positioniert sich in meinen Augen deutlich unter ihren Möglichkeiten.

    Das Angebot ist vielfältig und erschöpfend, die Aufmachung aber alles andere als attraktiv und einladend. Ich werde dort jedenfalls in Zukunft seltener anzutreffen sein.

  • [...] die Zähne aus. Zuletzt der aus unseren Augen missglückte Relaunch der Website von ProSieben (Design Bote vom 28. September 2009), dann das katastrophale Redesign von Wetter.de (Design Bote vom 2. Oktober 2009) – ebenfalls [...]

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Informationen

Datum: 28. September 2009, 16:29 Uhr
Autor: Florian Hirschmann
Themen: Relaunch
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Meinung: 9 Meinungen
Leser: Bislang 2.450 Leser.